Gestern abend war ich in “Der Baader Meinhof Komplex”. Der Film wurde ja im Vorfeld ziemlich hochgejubelt. Der Jubel verpuffte allerdings ziemlich schnell, als der Film ins Kino kam.
Ja… was soll ich sagen? Der Film ist irgendwie schwer zu beurteilen.
Die ersten 90 Minuten (ich nenne sie mal “Terror-Teil”) waren krass, der Gefängnis-Teil war dann doch sehr behäbig und man hat schon das ein oder andere Mal auf die Uhr geschaut.
Es gab echt krasse Szenen (prügelnde Polizisten, Zwangsernährung) und das Ensemble hat die Charaktere wirklich gut dargestellt, ABER irgendwie wirken sie alle noch irgendwie sympathisch.
Klar, es sind Terroristen, aber dadurch das die Staatsgewalt entweder als kühle Technokraten oder als prügelnde Hooligans in Polizeiuniform dargestellt werden, schlägt man sich doch eher auf die Seite der eigentlichen Bösewichte, auch wenn sie fluchen und sich wie Irre aufführen.
Insgesamt sollte man sich den Film aber ansehen, wenn man zu dem Thema einen Einstieg haben möchte. Wir haben diese Phase der jüngeren Geschichte leider nie in der Schule besprochen, daher war mein Wissen über die RAF doch recht überschaubar. Ist es jetzt auch noch, aber ich habe mir im Vorfeld zumindest mal einige Sachen dazu durchgelesen.
Vorhin wurde ich mit “Der kleine Bruder” von Sven Regener fertig.
Das Buch ist der fehlende Mittelteil der Lehmann-Trilogie.
Das erste Buch (quasi Episode 3) war ja grossartig, das zweite (Episode 1) konnte die hohen Erwartungen leider nicht erfüllen.
Teil 2 hat nun also die undankbare (oder dankbare?) Aufgabe das fehlende Bindeglied zwischen Frankies (Frankie gehört für mich zu den blödesten Spitznamen überhaupt, zusammen mit Claudi und Timmy) Zeit in Bremen und der Zeit des Mauerfalls in Berlin.
Überraschenderweise knüft das Wer direkt an den ersten Teil an, in dem (ich wusste es ehrlich gesagt nicht mehr) Frankie-Boy am Ende Bremen verliess und sich auf nach Berlin machte um seinen Bruder Manni/Freddie zu besuchen.
Das Buch handelt eigentlich ausschliesslich von der Ankunft in Berlin und der Suche nach seinem Bruder.
Grossartig. Die 280 Seiten beschreiben einen Zeitraum von knapp 48 Stunden, die quasi die nächsten 10 Jahre im Leben des Herrn L. vorzeichnen.
Die Dialoge sind witzig, wenn auch teilweise sinnlos und mittendrin gibt es immer mal wieder eine total unerwartete Beschimpfung. Manchmal möchte man sagen “Boah… kommt auf den Punkt”, aber das gehört halt zum Mikrokosmus des Herrn L. oder zu dem des Herrn R., wie man es nimmt.
Irgendwie ist das Buch teilweise wie ein Märchen geschrieben. Nicht, dass da auf weissen Ponys durch Berlin geritten wird, aber der Erzählstil hat manchmal irgendwas von einem Märchen.
Alles in allem ein wirklich lesenswertes Buch!